EIGENSINN

EigenSinn handelt von einem Sinn, der sich nicht im Kollektiv erschliessen lässt, sondern vor dem Hintergrund dessen, wer ich selbst bin.

Wenn ein einzelner Mensch darüber nachdenkt, was für ihn selbst Sinn macht und dabei also sein Eigenes einbezieht, auch dann, wenn dadurch eine Disharmonie zur seiner Umgebung entsteht, wird der Sinn zum EigenSinn.

Das hat mit Verbocktheit oder Egoismus nichts zu tun. Es verhindert auch nicht, dass man mit anderen Menschen verbunden ist und mit ihnen gemeinsam unterwegs ist. Im Gegenteil: Wahrnehmen (ein zentrales Element des Sinns) ist ja gerade das Gegenteil einer Haltung, die sich allem verschliesst.

EigenSinn schützt davon, von einem fremden Willen vereinnahmt zu werden und Dinge zu tun, die dem eigenen Fühlen und Wissen widersprechen. Fühlen und Wissen sind keine fixierten Zustände. Jeder Mensch ist im Austausch mit anderen und trifft auf Haltungen, die sich mit seinen reiben. Ein eigensinniger Mensch denkt nach, verarbeitet sie und findet eine Haltung, die nun vielleicht verändert, aber wiederum seine eigene ist. Austausch ist die Voraussetzung für EigenSinn. Und nur EigenSinnige können miteinander etwas gestalten, das Zukunft hat.

Hörenswert auf Youtube: Hermannn Hesse, Eigensinn
(Auszug aus: Hermann Hesse, Eigensinn macht Spass. Individuation und Anpassung, 1986)